Pflegefall – ein Risiko für die Finanzen

Die größten finanziellen Unsicherheiten und Sorgen der Menschen beziehen sich auf den Pflegefall. In der Zeit vor dem eigenen (obligatorischen) Rentenbeginn werden Lebensversicherungen fällig oder oft eine für den Eigenbedarf nach Wegzug der Kinder zu groß gewordene Eigentumswohnung verkauft. Flüssiges Vermögen kann jetzt wieder neu angelegt werden. Viele möchten es zum Aufstocken der Altersbezüge einsetzen. Doch dann lautet die bange Frage: Was tun, wenn ich zum Pflegefall werde?

Eine Altersrente, die aus verschiedenen Töpfen – also auch über eine private Zusatzrente aus eigenem Vermögen – zusammenkommt, mag zum normalen Leben ganz gut ausreichen. Aber was wird, wenn eine Heimunterbringung ansteht? Schließlich wird dann Extrageld gebraucht. Aus dieser Sorge heraus legen viele Menschen ihr Vermögen nicht vernünftig und rentierlich an, sondern lassen große Beträge auf Tagesgeldkonten herumdümpeln.

Und wenn es soweit ist? Aktuelle Zahlen belegen, dass Pflegebedürftige einer Heimunterbringung auch deshalb skeptisch gegenüber stehen, weil sie die hohen zu erwartenden Zuzahlungen aus eigener Tasche fürchten. Dann ist das verfügbare Vermögen rasch aufgebraucht. Und danach werden die Kinder zur Kasse gebeten. Doch die haben es schon schwer genug, und man möchte ihnen nicht auf der Tasche liegen.

Seit Mitte August gibt es einen Lichtblick: Die Bundesregierung hat beschlossen, dass der Elternunterhalt für Kinder, die nicht mehr als 100.000 € brutto im Jahr verdienen, zukünftig verschont bleiben sollen. Sie müssen dann nicht mehr Einkünfte und Vermögen offenlegen und sich auf „Zwangsabgaben“ für das Pflegeheim von Mutter oder Vater einstellen.

Die Kritiker dieser Reform befürchten einen Andrang nach stationärer Pflege von Menschen, die bislang andere Lösungen bevorzugen mussten. In Ländern, in denen Elternunterhalt abgeschafft wurde, war dieser Trend eindeutig zu beobachten. Und wenn? Haben nicht alle pflegebedürftigen Menschen ein Recht auf gute Pflege? Muss nicht sowieso endlich ernst gemacht werden mit einer Pflegereform, die Kinder nicht nur finanziell, sondern auch bei der Betreuung entlastet?

Ein zweiter Lichtblick: eine aktuelle Umfrage hat ergeben, dass ein Großteil der Bevölkerung bereit wäre, höhere Beiträge für eine gute Pflege zu bezahlen. Wir sind deshalb gespannt, ob und wie diese Information in gute Politik umgesetzt wird.

Autorin: Heide Härtel-Herrmann